"Vom Leben eines Schmuggerkönigs"
Schmuggi Luggi heißt der berühmteste Schmuggler von Gargellen. Wir haben mit ihm über vergangene Abenteuer gesprochen. Und wir haben nachgefragt, was er heute treibt und wo seine Lieblingsplätze in Gargellen sind.
Wie wird man eigentlich Schmuggler?
Wir haben aus Not geschmuggelt. Meine Familie war arm und viele Waren konnte man in der Schweiz und in Italien viel billiger bekommen: Korn und Honig zum Beispiel oder Loden. Auch Rinder, Schafe und Schweine haben wir Schmuggler in früheren Jahrhunderten über die Berge getrieben. Heute muss ich zum Glück nicht mehr schmuggeln. Das war nämlich ein beschwerliches Leben.
Es klingt aber sehr romantisch: Durchs Gebirge streifen, in geheimen Verstecken schlafen und mit den Zöllnern Katz’ und Maus spielen.
Ja, aber wenn sie Dich erwischt haben, sind sie gar nicht zimperlich mit Dir umgegangen! Und die Touren über die Schmuggler- und Säumerwege waren keine Spaziergänge. Bis zu 50 Kilogramm waren unsere Buckelkraxn schwer. Und dann in der Nacht über das 2.200 Meter hohe Schlappiner Joch: Das war harte Arbeit und ganz schön gefährlich.
Hattest Du auch Angst?
Ja, klar hatte ich Angst, oft! Ich erinnere mich, wie mich mein Vater das erste Mal auf eine Tour mitgenommen hat. Wir mussten uns zwei Tage und zwei Nächte in einer Höhle verstecken, weil uns die Zöllner auf den Fersen waren. Zum Glück waren wir auf dem Rückweg aus der Schweiz, wir hatten also genug geschmuggelte Lebensmittel dabei. Obwohl ich noch ein Kind war, durfte ich damals sogar Wein trinken, weil wir kein Wasser hatten.
Und was machst Du jetzt, wo Du das Schmugglerleben aufgegeben hast?
Jetzt wohne ich mit meinen Ziegen und Kühen im Schmugglerland auf dem Schafberg. Da schau ich gerne den kleinen und großen Wanderern zu, wenn sie barfuss auf Sand und Kiesel, im Wasser und im Schlamm spazieren gehen und so ein bisschen den „Nervenkitzel“ nachvollziehen können, den ich früher beim Schmuggeln erlebt habe. Oder ich schleiche mich an, wenn die Kinder in der Gäßscherm die Ziegen streicheln. Entdeckt hat mich noch nie jemand.
Es gibt Kinder, die behaupten, dass sie Dich von der Zollhütte aus gesehen haben.
Ach was, das glaube ich nicht. Ich verstecke mich immer zwischen den Felsspalten, da müssten sie schon ein Fernglas haben und ganz genau schauen.
Kommst Du auch manchmal ins Dorf hinunter?
Ja natürlich! Besonders gerne setze ich mich vor die Kirche und schau in die Sonne. Aber die Menschen erkennen mich nicht, weil sie mich für einen normalen Touristen halten. Oder ich kaufe mir beim Spar eine Zeitung. Ich will ja auch wissen, was in der Welt los ist.
Wusstest Du, dass jetzt ein neuer Lift nach Dir benannt wird?
Ja, davon habe ich gehört und das freut mich sehr. Vor allem, weil ich der Namensgeber für den neuen Kinderlift bin. Die kleinen Schifahrer bekommen gleich neben dem Schmugglerland ein neues, sonniges Plätzchen am Schafberg. Von dort kommen sie auch viel bequemer zur Bergstation, wenn sie etwas essen wollen oder auf die Toilette müssen. Und ich kann sie von meinen Verstecken aus viel besser beobachten.

